© Sonja Rommerskirch

Herr Jansen kann's...

Hundstage - eine heitere Selbsterfahrung-Story

Text und Bilder Imke Wein

Seit November 2013 lädt der Tourismus-Service Wenningstedt-Braderup Hunde und ihre Menschen zu erlebnis- und lehrreichen Tagen auf die Insel. Die Vision, mit den Hundstagen ein Angebot zu schaffen, das Insulaner, neue und alte Syltfans anspricht und zur Teilnahme bewegt, ist mehr als aufgegangen. Die „Hundstage“ bieten immer im März und November an je fünf Tagen Dutzende von spannenden Workshops, Vorträgen und Natur-Expeditionen an und erfreuen sich eines riesigen Interesses. Imke Wein, Besitzerin von zwei betagten Kleinsthunden, hat sich aufgemacht, den beiden auf ihre alten Tage Neues beizubringen.

Egal, wie mein Selbstversuch ausgehen wird, Lehrerin Jennifer Käferböck ist jedenfalls ein Traum. Die Kölner Hundetrainerin stellt sich an diesem herrlichen Spätherbsttag souverän, unmissverständlich und zielführend ihren hochmotivierten Schülern vor.

Das mit dem Super-Rückruf geht im Prinzip so: Damit die Tiere in Extrem- und in Gefahrensituationen sofort und „um jeden Preis“ reagieren, etabliert man ein spezielles Kommando nur für diesen Extremfall („z.B. Parole Emil“), dessen Befolgen zunächst mit einem Super-Leckerli, in diesem Fall Würstchen, geübt und belohnt wird. Um die Exklusivität des Ganzen zu erhalten, darf das Kommando weder im Training noch in der Praxis inflationär behandelt werden. Soweit verstanden. Die anderen (überaus sympathischen!) Workshop-Teilnehmer schnappen sich Würstchen und beginnen nach Anweisung zu üben.

Rosa bellt. Che versucht, hübschen Hundedamen nachzustellen. Es wartet der Super-Spagat, der eigenen Brut den Super-Rückruf zu vermitteln, die anderen Teilnehmer zu interviewen, zu fotografieren und das Ganze binnen einer Stunde. Machen wir es kurz: Während Monti, Bruno und Herr Jansen vortreffliche Fortschritte machen und Jennifer Käferbock über den Platz geht und die Teams coacht, möchte Che angesichts der Würstchen lieber alle seine Tricks zeigen. Rosa hat sich aus dem Staub gemacht und lässt sich von einem netten Herren kraulen, Che lässt mich stehen und folgt seiner Gefährtin. Boahhh – ist das peinlich.

Trainerin bei den Wenningstedter Hundstagen
© Imke Wein
Teilnehmerin mit ihrem Hund im Training bei den Wenningstedter Hundstagen
© Imke Wein
Hunde bei den Wenningstedter Hundstagen
© Imke Wein

Wie gut, dass alle anderen mit sich beschäftigt sind und erfolgreich üben. Nach zwei weiteren Lektionen Super-Rückruf gebe ich auf, gestehe, eine erzieherische Katastrophe zu sein, täue die Hunde an einen Pfahl und gehe zu Herrn Jansen, ursprünglich aus Kroatien, und seiner Besitzerin Katharina aus Hamburg. Die junge Frau ist ein glänzendes Beispiel, wie das mit den Hundstagen eigentlich funktionieren soll: Katharina und Herr Jansen (benannt nach dem legendären HSV-Spieler) haben in den letzten Tagen sehr viele Kurse besucht, Vorträge gehört und sind vollkommen begeistert von Sylt, was sie vorher gar nicht kannten. Herr Jansen ist ein supereifriger Schüler – nach 45 Minuten intensivem Training hat sich bei ihm die Sache mit dem Super-Rückruf, der im Zweifelsfall an einer Straße sogar sein Leben retten könnte, schon etabliert.

Herr Jansen kann’s, und er wird das eben Gelernte nach den Empfehlungen von Trainerin Käferböck weiter üben, weil er ein Bilderbuch-Frauchen hat – muss ich mal neidlos gestehen. Che und Rosa sind auch ohne Lernerfolg platt wie ’ne Briefmarke. Die netten Hunde-Menschen-Gespanne müssen weite– sie haben bei den Hundstagen noch einiges vor. Bleibt mir noch ein kurzer Plausch mit der Fachfrau, die beruflich die Architektur hinter sich ließ, um sich den Hunden und deren Besitzern zu widmen. Eine Berufene. Immer schön, wenn man die in Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeit treffen darf. Na ja, und Che und Rosa und der Super-Rückruf – wir werden vielleicht heimlich weiter üben, denn wir wissen jetzt ja, wie es geht.

Den richtigen Riecher hatten Tourismusdirektor Henning Sieverts und sein Team, als sie vor fünf Jahren auf den Hund kamen und genau das gelang, was sich jeder Touristiker auf Sylt wünscht: Sie kreierten einen „Reiseanlass“. Also ein Ereignis, das so spannend ist, dass Menschen dafür in der tiefsten Nachsaison nach Sylt reisen. Primär, weil sie das Ereignis interessiert, sekundär, weil sie dafür auf die Insel kommen können und dann feststellen, wie herrlich Sylt ist, wenn gerade mal nicht Sommer ist. Im besten Falle kommen diese Gäste immer wieder – aus demselben Anlass oder einfach nur so.

Bei den Hundstagen gelingt genau das am laufenden Meter. Beispiel: Bei sieben von neun Menschen-Hunde-Teams, die den Super-Rückruf- Workshop besuchten, war das Interesse an den Hundstagen ausschlaggebend für die Reiseentscheidung. Die anderen beiden Teams waren Insulaner. Ganz nebenbei lernen die Teilnehmer natürlich auch, wie man sich auf der Insel mit ihrer sensiblen Natur idealerweise fortbewegt und welche Regeln es zu beachten gilt. Diese tierischen Veranstaltungen finden zwei mal im Jahr statt, jeweils Anfang März und Anfang November, statt. Sie bieten über sechs Tage ein breit angelegtes Spektrum an Vorträgen, Alltags-Trainings, Seminaren, Sporteinheiten und Naturerkundungen. Es empfiehlt sich eine rechtzeitige Anmeldung, damit jeder Interessierte sein ganz individuelles Hundstage-Programm zusammenstellen kann.

Hunde bei den Wenningstedter Hundstagen
© Imke Wein
Belohnung im Hundetraining bei den Wenningstedter Hundstagen
© Imke Wein

Dieser Artikel erschien ursprünglich in unserem Magazin

 

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