Anreise:

Denghoog (Großsteingrab)

Schon 1868 wurde das Großsteingrab „Denghoog“ (Sylter friesisch  Deng: Thing; Hoog: Hügel)geöffnet und wissenschaftlich erforscht. Seit 1928 können Besucher in die steinerne Kammer hineinklettern und sich ein Bild vom Innern des 5000 Jahre alten Großsteingrabes machen.

Fachkundige Führungen:
April bis Oktober täglich 10:00 bis 16:00 Uhr
November bis März nach Anmeldung unter Tel. 04651 - 5769

Eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Insel Sylt ist ohne Zweifel der „Denghoog“ in Wenningstedt, eines der schönsten Ganggräber aus der jüngeren Steinzeit (4100 -1700 v. Chr.) Nach ihm ist eine Periode dieser Zeit früher als „Denghoog-Stufe“ benannt worden.

Das Wort „Denghoog“ ist Sylterfriesisch und bedeutet Thinghügel (Deng = Thing, Hoog = Hügel). Es ist also wohl möglich, dass unsere Vorfahren an dieser Stätte sich unter freiem Himmel zusammenfanden, um recht zu sprechen. Angelegt aber ist dieser Hügel im 4. Jahrtausend v. Chr. als Grabstätte. Heute noch erhebt er sich 3,50 Meter über seine Umgebung. Am Fuß misst er etwa 32 Meter im Durchmesser. Im Jahre 1868 wurde er von dem Professor der Geologie Ferdinand Wibel untersucht, der dabei die darunter verborgene große Grabkammer fand. In etwa 1,20 Metern Tiefe von der Oberfläche des Hügels aus gemessen stößt man auf die Decksteine der Kammer, in die man heute von da aus hinabsteigen kann.

Der Besucher ist beeindruckt von der Größe der Kammer, die in Form einer Ellipse angelegt ist und fünf Meter in ost-westlicher, drei Meter in nord-südlicher Richtung misst. Zwölf große Tragsteine bilden die Seitenwände. Die Lücken sind durch Trockenmauerwerk aus sorgfältig aufeinandergeschichteten Steinfliesen (sog. Zwickelsteine), abgedichtet. Drei gewaltige Decksteine schließen die Kammer nach oben ab, sie sind etwa 75 cm stark. Nach Prof. Wibel wiegt der mittlere dieser Decksteine beinahe 20.000 Kilogramm. Die Steine sind ausnahmslos Findlinge, die in der vorletzten Eiszeit aus Skandinavien hierher transportiert wurden. Der Eckstein an der Westseite des Ganges zeigt deutlich Gletscherschliff. Auch die Lücken zwischen den Decksteinen sind durch Trockenmauerwerk verschlossen. Eine Schicht von festem blauem Ton, Wattenschlick von der Ostseite der Insel, vermischt mit schalenförmigen Steintrümmern, verhindert fast völlig das Eindringen von Wasser. Darüber liegt eine Schicht gelben Sandes, die schließlich nach oben durch eine Humusschicht abgedeckt ist.

Ein etwa sechs Meter langer und ein Meter hoher Gang führte in die Grabkammer hinein. Am Fuße des Hügels fanden sich noch mehrere große Steinblöcke, vermutlich die Reste eines ehemaligen Steinkranzes.

Bei der Ausgrabung zeigte es sich, dass die Grabkammer noch vollkommen unberührt war. Drei verschiedene Abteilungen konnte Prof: Wibel feststellen. Die östliche Abteilung war durch zwei Reihen von hochkant gestellten Fliesen, die etwa 25 cm über den Boden hervorragten, abgetrennt. Der Boden hier war mit Steinplatten sorgfältig gepflastert. Auf der Pflasterung lag eine Schicht kleiner Steinbruchstücke. Im West- und Nordwestteil befand sich eine größere Anhäufung von oft plattigen Steinen, von denen einige in Form eines Halbkreises angeordnet waren. Den Boden der Kammer bedeckte eine etwa 20 cm dicke Schicht von grauem und darunter gelbem Sand, in dem eine Anzahl Grabbeigaben, die Reste der unverbrannten Leiche und ein Rinderzahn gefunden wurden. Überreste weiterer Bestattungen fanden sich über die ganze Kammer verstreut.

Neben einem heilen Tongefäß fand Wibel Scherben von 24 weiteren Gefäßen, von denen 11 noch zusammengesetzt und z.T. ergänzt werden konnten. Das größte davon, ein sogenanntes Schultergefäß, misst in der Höhe 38 cm und besitzt einen Durchmesser von 31 cm.

Zu den weiteren Grabbeigaben gehörten zahlreiche Steingeräte wie Beile, Flach- und Hohlmeißel, zwanzig Feuersteinklingen, eine Schwefelkiesknolle zum Feuerschlagen und zwei kreisrunde, durchlochte Scheiben von 10 und 12 cm Durchmesser, sog. Scheibenkeulen. Dazu fanden sich 6 Bernsteinperlen, davon eine in Amazonenaxtform sowie Bruchstücke einer weiteren Bernsteinperle. Die Funde sind heute im Archäologischen Landesmuseum auf Schloss Gottorf ausgestellt. Abgüsse der schönsten Stücke sind im Sylter Heimatmuseum in Keitum präsentiert. Angesichts der vielen Beigaben, die übereinandergeschichtet lagen, muss man annehmen, dass im Denghoog zahlreiche Tote nach und nach bestattet wurden. Prof. Wibel hat die Lage der Funde zwar genau aufgenommen, über die stratigraphische Lage der Funde zueinander aber keine wesentlichen Angaben gemacht. Die im Denghoog gefundenen Gefäße sind aufgrund ihrer Form und Verzierung zwischen 3200 und 3000 v. Chr. zu datieren. So ist doch wohl mit recht anzunehmen, dass das Ganggrab wie auch andere Großsteingräber dieser Periode über mehrere Generationen als Beisetzungsstätte für eine Familie oder Sippe gedient hat.

1928 erwarb die Sölring Foriining den Denghoog, um ihn in ihrer Pflege und Betreuung zu nehmen. Seitdem ist er für Besucher zugänglich.

Neue Ausgrabungen unter der Leitung von Prof. Dr. J. Reichstein vom Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein fanden im Jahr 1982 statt. Zu diesem Anlass wurde die gesamte Grabanlage neu vermessen und ein Höhenschichtenplan sowie maßstabgetreue Grundrisse von Grabkammer und Gang erstellt. Darüber hinaus wurde auch das Vorgelände eingehend untersucht. Es konnte festegestellt werden, dass die Kammer von fliesenartigen, plattigen Geschieben ummantelt war. Die Fliesen waren wie ein Schindeldach angeordnet und aus Gneisen und Quarziten gehauen. Weiterhin wurden zwei Türflügelsteine freigelegt, die ebenfalls behauen waren; eine für Großsteingräber nur sehr selten nachgewiesene Form der Zurichtung.

Auffällig ist, dass weder bei den Untersuchungen Wibels noch den Neugrabungen Reichsteins eine Estrichschicht gebrannten Flints entdeckt wurde, einer ansonsten charakteristischen Erscheinung auf den Kammerböden von Großsteingräbern.

Außerhalb der Grabanlage legten die Ausgräber eine ungestörte Steinsetzung frei, die trichterförmig in den Gang einmündete. Neben dem Trichter fand man regelrechte Tonscherbennester, die leicht in den Untergrund eingetieft und von faust- bis kopfgroßen Rollsteinen abgedeckt waren. Die reich ornamentierten Keramik entspricht in Form und Verzierung weitgehend derjenigen der Wibelschen Grabung von 1868 .

Im Anschluss an die Ausgrabung wurden der Gang restauriert und auch einige Steine des Trichters wieder in ihrer ursprüngliche Position aufgestellt.

Literatur:

Wibel 1869, Neudruck Sölring Foriining 2006

Kersten/La Baume 1958, Vorgeschichte der Nordfriesischen Inseln

Bantelmann 1996, Nordfriesland in vorgeschichtlicher Zeit